Freitag, 8. Januar 2016

Workflow bei Langzeitbelichtungen - Oder: "Der gleiche Trott"


Da ich schon öfters gefragt worden bin, wie man Langzeitbelichtungen am Tag eigentlich macht, möchte ich diesen Post nutzen, um meinen Arbeitsablauf zu beschreiben und die Dinge aufzuführen, die dafür eingesetzt werden. Als Beispiel habe ich mir die "Brücke der Spione" (Glienicker Brücke) über die Havel in Berlin ausgesucht.
Von der Funktion des "Live-Composite" einmal abgesehen, lassen sich die Aufnahmen mit jeder Kamera durchführen, bei der die Belichtungszeit individuell gesteuert werden kann. 
Ich werde hier aber nicht von allgemeinen Dingen, wie Stativen, Fernauslösern oder der Spiegelvorauslösung sprechen und auch nicht von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert "dozieren". Das können andere besser!...


1. Motivsuche und Bildgestaltung
Zur Vorbereitung meiner Aufnahmen bediene ich mich häufig, entweder zur Inspiration oder zur gezielten Suche Bilddatenbanken wie "FLICKR" oder "500px". Wie auch bei der Peoplefotografie habe ich mir auf meinem Computer Ordner angelegt, in denen ich interessante Motive speichere. 
Wenn ich ein Motiv gefunden habe, recherchiere ich bei den Bildern, die mir am besten gefallen, aus welcher Perspektive sie aufgenommen wurden und zu welcher Jahres- und Tageszeit. Diese Informationen helfen mir später bei der Bildgestaltung vor Ort. - Nichts ist blöder, als auf der "falschen" Seite des Motivs zu stehen, wenn die Sonne auf- oder untergeht und man vielleicht nur diese Gelegenheit für ein Foto hat! Ich spreche aus Erfahrung! ;)
An der Location selbst nehme ich mir einfach die Kamera und erkunde die Gegend. Aus verschiedenen Richtungen und Positionen mache ich Aufnahmen und lege die Punkte fest, von denen ich die Langzeitbelichtungen machen möchte. 
    2. "Ruhe vor dem Schuss!"
    Wenn Ihr das Bild oben betrachtet, nutze ich die Gelegenheit für zwei Dinge. Erstens ich benutze das so genannte "Bracketing" mit den "Art-Filtern" der OM-D von Olympus, weil ich so schon ein paar unterschiedliche Bilder meines Motivs bekomme ohne lange am Rechner zu sitzen und zweitens messe ich in der Blendenvorwahl / Zeitautomatik die Belichtungszeit bei unterschiedlichen Blenden, die mir für mein Bild als geeignet erscheinen. 
    Neben anderen Überlegungen, auf die ich hier aber nicht eingehen will, steht bei Landschaftsbildern die Schärfentiefe im Vordergrund. Unter Beachtung des am meisten verwendeten Objektivs mit einer Brennweite von 12-40 mm (KB: 24-80mm) arbeite ich meistens mit Blende von f8 bis f16. 


    3. "Anschnallen und Countdown"
    Die Kamera steht auf dem Stativ, ist entsprechend der internen Wasserwaage ausgerichtet, der Bildausschnitt gewählt und jetzt kommt das "Fine-Tuning"!. (Nein, ich meine nicht, die Dreck auf dem Weg vor der Kamera wegzunehmen! - Mist, wieder was vergessen! :() 
    Ich meine einmal die Fokusierung. Habe ich bei den "Testaufnahmen" noch automatisch fokusiert, mache ich das jetzt manuell. Der Hauptgrund für mich ist, dass ich später, wenn ich mit den Filtern arbeite, keine Änderung mehr machen kann, weil ggf. der automatische Fokus einfach keinen Fokus mehr findet! 
    Der nächste Schritt ist dann der Einsatz der Graufilter und die Einstellung von Blende und Belichtungszeit (und natürlich dem ISO-Wert!)...
    Oh, Mann! Was mir "in Fleisch und Blut übergeht", ist jetzt beim Erzählen so kompliziert! Also! Es ist 13:00 Uhr an einem Wintertag. Die Sonne steht tief und es ist... hell! Bei einem ISO-Wert von 200 und einer Blende von f16 käme man auf eine Belichtungszeit von 1/100s!!!. 



    4. "Glück und Glas..."
    Jedem ist klar, dass man bei dieser Belichtungszeit nicht die gezeigten Effekte erzielt. Dafür sind unter Einsatz von Filtern, längere Belichtungszeiten von mehr als zehn Sekunden notwendig! Okay! Ich habe Filter, die 2, 6 oder eben 10 Blenden "wegnehmen"! Aber wie kalkuliert man die Belichtungszeit?! Nun, es gibt kleine "Helferlein! Ich verwende den "LongTime Exposure Calculator" von HPR-Solutions, aber es gibt sicher auch andere Applikationen, die man auf dem Smartphone installieren kann oder Listen, die man als Ausdruck bei sich hat, oder, oder oder!
    Ich habe letztlich einen 10-Stufen-Graufilter verwendet UND einen Polfilter, der noch einmal 2 Blendenstufen "schluckt" und kam so auf eine Belichtungszeit von 15-30 Sekunden, mit denen man "spielen" kann!
    Okay, Thema "Polfilter"! Wie stellt man ihn richtig ein?! Bei spiegelnden Oberflächen dreht man den Filter, bis die Spiegelungen verschwinden oder wie in diesem Fall, bis der Himmel "dunkler" wird! Das bedeutet etwas Übung und wenn Ihr wollt, kann ich darüber noch einen eigenen Post schreiben!?

    5. "Habe fertig!"
    Jetzt hat man (hoffentlich) die gewünschten Bilder im Kasten!? Wenn man Besitzer einer OM-D ist, hat man die Belichtungszeiten auch noch einmal im "Live-Composite" angewendet, aber das ist eine andere Geschichte...
    Jetzt geht es an die Nachbearbeitung! Wie das geht, erzähle ich vielleicht mal in einem anderen Posting!?...